DAS INTERNATIONALE MANIFEST DER WACHHÜNDINNEN

 

 

Wachhündinnen aller Länder, vereinigen wir uns !

Das französische Manifest, das von über tausende Menschen in der ganzen Welt schon unterzeichnet worden ist, wurde von der feministischen Schriftstellerin Florence Montreynaud am 8. März 1999 verfasst und veröffentlicht.
Zum 8. März 2000, veröffentlichen wir, Frauen und Männer, die wir uns gegen sexistische Gewalt engagieren,

das internationale Manifest der Wachhündinnen

Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft. Die Debatten sind frei, doch ist nicht jedes Argument akzeptabel.
In den meisten Länder der Welt, jede Frau, die öffentlich etwas unternimmt, läuft dabei Gefahr, als « Hure » bezeichnet zu werden. Ist sie erfolgreich, so kommt sie in Verdacht, « mit jemandem geschlafen zu haben ».
Jede öffentliche Frau wird automatisch nach ihrem Aussehen beurteilt und bezeichnet: « Mutter », « gute Freundin », « Mädchen für alles », « Lesbe », « Hure », usw.

Jetzt reicht’s aber ! 

Wir, die Wachhündinnen,

lassen uns dieses nicht länger gefallen.

Wir, die Wachhündinnen, werden böse. Wenn eine öffentliche Frau* sexistisch beleidigt wird, bedeutet das, dass alle Frauen beleidigt werden.
Wir engagieren uns, alle öffentlichen Frauen, die, weil sie Frauen sind, angegriffen werden, zu unterstützen. Wir treten für die Aktionsfreiheit und für das Selbstbestimmungsrecht aller Frauen ein.

Wir, die Wachhündinnen, treten für einen kostbaren Wert ein : die Würde der Frauen. Die Würde der Frauen ist von der menschlichen Würde untrennbar. Sie muss von allen geachtet werden.

In der Einigkeit liegt unsere Stärke!

Heute wie früher, hier wie dort (in Algerien, Iran, Afghanistan, usw.) wird Gewalt gegen Frauen benutzt und zwar von denen, die das Recht der Frauen, an den öffentlichen Entscheidungsprozessen teilzunehmen, nicht anerkennen. Diese Gewalt wirkt wie eine Waffe, die dazu bestimmt ist, Frauen stumm und unsichtbar zu machen.

Wir, Frauen und Männer, die für die Freiheit, die Gleichwertigkeit, die Adelphität** und die Toleranz handeln, wollen, dass in unserem Lande ein Gesetz gegen Sexismus erlassen wird.

Sexismus (d.h. Hass gegen das weibliche oder das männliche Geschlecht) ist wie Rassismus : eine Erscheinungsform des Hasses gegen das Andere, verbindet mit dem Hasse gegen sich selbst.

Der Kampf gegen Sexismus muss zu einer politischen Priorität werden. Wir wollen eine breite öffentliche Überlegungs- und Erziehungsarbeit zum Thema Beziehungen zwischen Frauen und Männern. Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der wir frei handeln, in der gegenseitige Achtung herrscht.

 

* Jede Frau, die öffentlich beleidigt wird, wird in diesem Zusammenhang zu einer « öffentlichen Frau ».


** Adelphität: Dieses Wort stammt aus der griechischen Wurzel adelph, aus der sich die griechischen Wörter für Bruder und Schwester entwickelt haben (in anderen Sprachen, ausser dem spanischen hermandad, stammen die Wörter für Bruder und Schwester aus zwei verschiedenen Wörtern). Adelphität bedeutet insgesamt Brüderlichkeit, Schwesterlichkeit und harmonische Beziehungen zwischen Frauen und Männern.

Kommen Sie mit uns, indem Sie das Manifest unterzeichnen!